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Fachtag „Erlebensbild Arbeit bei Auszubildenden – Arbeitsschutz ist keine Nebensache“ am 26. Oktober 2017 im Hygiene-Museum Dresden

Lehrer/innen, Ausbilder/innen, erfreulich viele Auszubildende und Vertreter aus Unternehmen und Behörden, rund 140 Teilnehmer, folgten der Einladung des SMWA. Der Fachtag wurde, wie schon die gleichnamigen Runden Tische 2016, gemeinsam mit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Dresden veranstaltet.

Das Thema Arbeitssicherheit in der Berufsausbildung stand im Mittelpunkt der Veranstaltung. Arbeitgeberverantwortung, Jugendarbeitsschutz, Arbeitszeit, Umgang mit Gefahrstoffen, Arbeit auf Baustellen oder an Maschinen und Anlagen - diese und andere Faktoren sind zum Schutz Jugendlicher und aller Beschäftigter gesetzlich geregelt.

Wie werden diese Bestimmungen in der Ausbildung beachtet? Welche Haltung haben die für Ausbildung und Arbeitsschutz Verantwortlichen in dieser Frage? Wie schätzen Auszubildende die Bedingungen, unter denen sie ihre Ausbildung absolvieren, ein? Das waren einige der Fragen an diesem Tag.

Er wurde von Dr. Katrin Ihle, SMWA, mit einer Grußbotschaft von Staatssekretär Stefan Brangs eröffnet.

Professor Johann Gängler, TU Dresden, stellte zu Beginn in seinem Vortrag den Zusammenhang zwischen betrieblichen Arbeitsbedingungen und Perspektiven für eine gute Ausbildung her. So seien u.a. die Qualität der Arbeit, das Betriebsklima und die Arbeitszeiten mit verantwortlich für das Bild, das Berufsanfänger von ihrer Arbeit entwickeln. Davon abhängig sei auch, ob Betriebe erfolgreich neue Fachkräfte gewinnen.

 
Dr. Katrin Ihle, SMWA

Begrüßung

Dr. Katrin Ihle, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

Andreas F. Rook, MDR Sachsen

Moderation

Andreas F. Rook, MDR Sachsen

    Prof. Johann Gängler, Professur für Sozialpädagogik einschließlich ihrer Didaktik, TU Dresden

    Dringend Fachleute gesucht – was gute Ausbildung mit betrieblichen Arbeitsbedingungen zu tun hat

    Prof. Johann Gängler, Professur für Sozialpädagogik einschließlich ihrer Didaktik, TU Dresden (© Foto B. Helms)

    Die anschließende Podiumsdiskussion griff den Faden auf. Moderator Andreas F. Rook vom MDR Sachsen fragte bei den Diskussionsteilnehmern nach, wie die Berufsausbildung in ihren Einrichtungen läuft. Schnell wurde klar, dass Azubis ein solides Fachwissen brauchen, um die wachsenden Anforderungen in der Praxis zu meistern. Sie werden in den Unternehmen als die zukünftigen Fachleute gebraucht.

    Die Mehrzahl der Azubis findet gute Ausbildungsbedingungen vor. Manchmal verschwimmen jedoch die Grenzen zwischen Ausbildung und Integration in die betrieblichen Arbeitsabläufe. Die Einhaltung von Arbeits- und Pausenzeiten, etwa auf Baustellen oder in der Gastronomie, tritt dabei nicht selten in den Hintergrund, wie die Diskussion zeigte. Ein hohes Arbeitspensum, das zügig zu bewältigen ist, macht auch vor Azubis nicht halt. Es braucht allerdings Zeit, das Gelernte anwenden zu können. Wichtig ist in diesem Kontext das Feedback des Ausbildungspersonals auf die geleistete Arbeit. Hier sind gut qualifizierte Ausbilder/innen gefragt, die ihren Azubis fachlich wie vertrauensvoll zur Seite stehen.

    Eine gute Zusammenarbeit bzw. der Erfahrungsaustausch zwischen Beruflichen Schulzentren und Ausbildungsbetrieben hilft, die Ausbildungsqualität zu verbessern und Probleme zu lösen, so die Erfahrung einiger Teilnehmer. Dieser Verständigungsprozess sollte regelmäßig stattfinden.

    Aus dem Publikum wurde angesprochen, dass viele Azubis weite Wege vom Wohnort zur Berufsschule und/oder zum Betrieb zurücklegen müssen. Hierdurch entstehen vielfach zeitliche als auch finanzielle Probleme für viele Berufsanfänger. Gesundheitliche Auswirkungen durch diese Anforderungen sind im Blick zu behalten. Der Hinweis, auf eine ausgewogene Struktur der Bildungseinrichtungen in Sachsen zu achten, ging an die Verantwortungsträger in der Politik.

    Die Diskussion bildete einen Spannungsbogen zwischen positiven Einschätzungen und Verbesserungspotenzialen bei der Gestaltung der Ausbildung ab. Insbesondere von Vertretern der Gewerkschaften wurde angemahnt, Verstöße gegen Arbeitsschutzvorschriften nicht zu akzeptieren.

    An der Podiumsdiskussion beteiligten sich:

    Siri Leistner, BSZ für Gastgewerbe Dresden, Christina Zetzsche, Best Western Hotel Plauen, Axel Hüpkes, DEHOGA Sachsen e.V., Manuela Sietzy, BSZ für Gesundheit und Sozialwesen Dresden, Sarina Schubert (Auszubildende), Berufsfachschule für Altenpflege Pirna, Uwe Meschwitz, Bedachungstechnik Meschwitz Dresden, Uwe Schicke, Berufsförderungswerk Bau Sachsen e. V., Christian Sommer, Teichmann Bau GmbH Wilsdruff.

     

     

     

    Gute Beispiele können Wege aufzeigen und motivieren. Aus Lingen in Niedersachsen waren Stefan Behnen (Azubi) und Henning Rolfes gekommen. Die Azubis der Bauunternehmung August Mainka GmbH & Co. gewannen 2016 den 1. Platz beim Deutschen Jugend-Arbeitsschutz-Preis. Sie konstruierten eine Bauleiter, die ein sicheres Arbeiten in Baugruben ermöglicht. Im Unternehmen sind zwischenzeitlich mehrere dieser praktischen Leitern im Einsatz. Darüber hinaus ist das Unternehmen auf der Grundlage eines vorbildlichen Arbeitsschutzsystems tätig. Das wird u. a. daran deutlich, dass die Mitarbeiter/innen auch Beinaheunfälle melden, die akribisch ausgewertet werden und präventive Maßnahmen zur Folge haben.

    Eric Stahnke, Direktor im Hotel an der Oper in Chemnitz und Alexander Michel, Azubi, berichteten über die Ausbildung in ihrem elternfreundlichen Unternehmen. Von den 44 Mitarbeiter/innen sind 8 Auszubildende. Regelmäßige Weiterbildungen und gute Arbeitsbedingungen zeichnen das Haus aus. Seit Jahren wird über den betrieblichen Bedarf hinaus ausgebildet. Im Jahr 2016 wurde dem Hotel das Label „Empfohlener Ausbildungsbetrieb“ verliehen. Dem Hotel wird damit bescheinigt, dass es die Kriterien, die einen guten Ausbildungsbetrieb ausmachen, erfüllt.

    Der Nachmittag bot die Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen. Die vier Workshops setzten unterschiedliche Schwerpunkte:

    • „Der Rahmen muss stimmen – Betriebliche Verhältnisse beeinflussen das Sicherheitsbewusstsein der Azubis“
    • „Lern- und Lehrkultur – gut qualifizierte Ausbilder sind das A und O“
    • „Auf die Führung kommt es an – Arbeitsschutz als Wertmaßstab und Führungsaufgabe“
    • „Gemeinsam stark – Partner für eine gute Berufsausbildung“

    Die Teilnehmer nutzten die Möglichkeit, eigene Erfahrungen mitzuteilen und wichtige Hinweise zu geben.

    Wer oder was hilft weiter? Unterstützungsangebote für die praktische Arbeit im Ausbildungsprozess.

    Carmen Scholtissek, SMWA und Ute Kalka, Berufsgenossenschaft Holz und Metall, München, stellten zum Abschluss des Fachtages Möglichkeiten vor, die den Unterricht unterstützen können. Eine Vielzahl an Fachinformationen, Veröffentlichungen, interaktiven Medien und Filmmaterialien stehen dafür zur Verfügung. Zudem kann das Beratungsangebot der Arbeitsschutzbehörden und Unfallversicherungsträger genutzt werden.

    Das Feedback der Teilnehmer auf die Veranstaltung war positiv. Eine Fortführung der öffentlichen Diskussion wird gewünscht. Zu den Hinweisen gehört auch, den Wortmeldungen der Azubis breiteren Raum zu geben und dem Meinungsaustausch in Workshops mehr Zeit einzuräumen.

    Allen Teilnehmern sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für ihr Engagement gedankt.

     

    Carmen Scholtissek, SMWA

    Wer oder was hilft weiter?

    Carmen Scholtissek, Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

    Ute Kalka, Berufsgenossenschaft Holz und Metall München

    Wer oder was hilft weiter?

    Ute Kalka, Berufsgenossenschaft Holz und Metall München

    Diskussionen - Impressionen