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Arbeitsstätten und Ergonomie

Anwendbares Recht

Das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) verpflichtet den Arbeitgeber zur Vermeidung von Arbeitsunfällen, arbeitsbedingten Erkrankungen sowie zur menschengerechten Gestaltung der Arbeit (§§ 2, 3 ArbSchG). Hierzu gehören sowohl die Gestaltung der Arbeitsstätte, des Arbeitsplatzes und der Arbeitsumgebungsbedingungen als auch die Gestaltung von Arbeitsverfahren, -ablauf und -organisation (Ergonomie). Welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind, hat der Arbeitgeber durch die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG zu ermitteln.

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) bildet eine wesentliche Grundlage zur Erreichung dieses Ziels. Sie ist für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz der Beschäftigten beim Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten maßgebend. Geregelt werden z. B. Vorgaben für Raumabmessungen, Türen, Verkehrswege, Flucht- und Rettungswege sowie Anforderungen zur Beleuchtung, Lüftung, Raumtemperatur und zum Lärm in Arbeitsräumen, Pausen-, Bereitschafts- und Sanitärräumen.

Am 3. Dezember 2016 ist die überarbeitete Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) in Kraft getreten. Durch intensive zweijährige Auseinandersetzungen zwischen der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände und dem Bundeskanzleramt konnten die Kritikpunkte am Entwurf der geänderten ArbStättV entkräftet und die notwendigen Verbesserungen weitgehend durchgesetzt werden.

Wesentliche Änderungen

Rechtsvereinfachung durch Integration der Bildschirmarbeitsverordnung

Die Übernahme der Anforderungen an Bildschirmarbeit in die ArbStättV ist ein folgerichtiger Schritt, da Bildschirmarbeitsplätze schon lange ein elementarer Bestandteil von Arbeitsstätten sind. Mit der Zusammenfassung der beiden Verordnungen werden gleichzeitig Doppelregelungen beseitigt, die der Rechtsvereinfachung und der Anwenderfreundlichkeit dienen.

 

Anwendungsbereich auf Telearbeit erweitert

Gefördert wird das flexible Arbeiten, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eindeutig geregelt ist, dass nur vom Arbeitgeber fest eingerichtete Bildschirmarbeitsplätze im Privatbereich der Beschäftigten Telearbeitsplätze sind. Mobile Arbeit mit Laptop oder Smartphone unterwegs oder abends daheim ist damit nicht geregelt.

 

Aufhebung der zeitlichen Einschränkung bei Definition des Arbeitsplatzes (§ 2 Abs. 4, § 8 Abs. 2):

Mit der zeitlich unbegrenzten Definition des Arbeitsplatzes erfolgt eine Anpassung an alle anderen Arbeitsschutzverordnungen, z.B. Gefahrstoffverordnung, Biostoffverordnung. Zur Vermeidung unbeabsichtigter erhöhter Anforderungen gilt zunächst eine Übergangsregelung.

Arbeitsorganisation und Arbeitsabläufe sowie physische und psychische Belastungen sind in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen

Arbeitsorganisation und Arbeitsabläufe werden zu zentralen Belastungsfaktoren qualifiziert, die in der Gefährdungsbeurteilung für Arbeitsstätten zu berücksichtigen sind. Und zwar sowohl hinsichtlich ihrer physisch als auch psychisch relevanten Auswirkungen.

Erweiterung der barrierefreien Gestaltung (§ 3a Abs. 2):

Sofern behinderte Menschen beschäftigt werden, müssen künftig auch Sanitär-, Pausen- und Bereitschaftsräume, Kantinen, Erste-Hilfe-Räume und Unterkünfte in der Arbeitsstätte behindertengerecht eingerichtet und betrieben werden.

Beschäftigte über Gefährdungen unterweisen (§ 6):

Die Unterweisungsverpflichtung des Arbeitgebers wurde neu aufgenommen. Wesentliche sicherheitsrelevante Informationen, z.B. zum Verhalten im Brandfall, zu Fluchtwegen, Notausgängen, Absturzgefahren, sollen den Beschäftigten vermittelt werden.

 

Sichtverbindung nach außen (Anhang Nr. 3.4):

Die bis 2004 bestehende Anforderung zu einer „Sichtverbindung nach außen“ wurde wieder aufgenommen und differenziert ausgestaltet. Es handelt sich um einen wichtigen Beitrag zum Schutz der psychischen Gesundheit der Beschäftigten.

Zur Konkretisierung der ArbStättV dienen die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (Arbeitsstättenregeln-ASR). Mit ihrer Veröffentlichung werden die bisherigen Arbeitsstätten-Richtlinien ersetzt. Nach der Novellierung der ArbStättV im Jahr 2004 wurde mit der Aktualisierung der alten »Arbeitsstätten-Richtlinien« durch den Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) begonnen.

Die neuen ASR entsprechen dem Stand der Technik und unterstützen den Arbeitgeber bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung und Festlegung von Arbeitsschutzmaßnahmen nach § 3 ArbStättV. Wendet der Arbeitgeber die ASR an, kann er davon ausgehen, dass er die Vorgaben der ArbStättV erfüllt (Vermutungswirkung). Eine Verpflichtung zur Anwendung der ASR besteht allerdings nicht. Es ist möglich, von den Vorgaben der ASR abzuweichen und die Schutzziele der ArbStättV einschließlich des Anhangs auch auf andere Weise zu erfüllen. Bedingung ist, dass dabei das gleiche Schutzniveau wie in der ASR erreicht wird (Einhaltung des Standes der Technik).

Mit der Technischen Regel für Arbeitsstätten (ASR) A3.7 „Lärm“ werden die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) bezüglich des Lärms konkretisiert. Die ASR gilt für das Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen in Arbeitsräumen, um Gefährdungen und Beeinträchtigungen für Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten durch Lärmeinwirkungen zu vermeiden. Für Lärm in Pausen- und Bereitschaftsräumen, in Erste-Hilfe Räumen und in Unterkünften gelten die jeweiligen Anforderungen der ASR A.4.2, ASR A4.3 und ASR A4.4.

Gegenstand der ASR A3.7 „Lärm“ sind Gefährdungen durch Lärmeinwirkungen einschließlich extra-auraler Wirkungen unter einem A-bewerteten äquivalenten Dauerschallpegel von 80 dB(A) im Hörschallbereich mit Frequenzen zwischen 16 Hz und 16 kHz. Ab 80 dB(A) ist die Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch Lärm und Vibrationen (Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung – LärmVibrationsArbSchV) einschließlich der sie konkretisierenden Technischen Regel (TRLV Lärm) anzuwenden.

Die Anforderungen zur Minimierung von Lärm in Arbeitsstätten werden für Arbeitsplätze in Arbeitsräumen durch

  • Maximalwerte des Beurteilungspegels in Abhängigkeit von der Art der Tätigkeit (hohe, mittlere oder geringe Konzentrationsanforderungen) sowie durch
  •  raumakustische Anforderungen (Nachhallzeit, Schallabsorptionsgrad) an Arbeits-räume beschrieben.

Zur Unterstützung der Gefährdungsbeurteilung kann die vom Potsdamer Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) entwickelte Arbeitshilfe genutzt werden. Im Lärm– und Vibrationsinformationssystem KarLA wurde in Bezug auf die ASR A3.7 der Lärm-Belastungs-Rechner um ein neues Modul zur Berechnung des Beurteilungspegels erweitert: https://lavg.brandenburg.de/sixcms/detail.php/705283

Zur Berechnung der Nachhallzeit steht ein eigens entwickeltes Berechnungsmodul zur Verfügung: https://lavg.brandenburg.de/sixcms/detail.php/872639

 

Arbeitshilfen zur ASR A3.7 „Lärm“ – Hinweise

„Mit der Technischen Regel für Arbeitsstätten (ASR) A3.7 „Lärm“ werden die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) bezüglich des Lärms konkretisiert. Die ASR gilt für das Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten und Arbeitsplätzen in Arbeitsräumen, um Gefährdungen und Beeinträchtigungen für Sicherheit und Gesundheit von Beschäftigten durch Lärmeinwirkungen zu vermeiden. Für Lärm in Pausen- und Bereitschaftsräumen, in Erste-Hilfe Räumen und in Unterkünften gelten die jeweiligen Anforderungen der ASR A.4.2, ASR 4.3 und ASR A4.4.

Gegenstand der ASR A3.7 „Lärm“ sind Gefährdungen durch Lärmeinwirkungen einschließlich extra-auraler Wirkungen unter einem A-bewerteten äquivalenten Dauerschallpegel von 80 dB(A) im Hörschallbereich mit Frequenzen zwischen 16 Hz und 16 kHz. Ab 80 dB(A) ist die Verordnung zum Schutz der Beschäftigten vor Gefährdungen durch Lärm und Vibrationen (Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung – LärmVibrationsArbSchV) einschließlich der sie konkretisierenden Technischen Regel (TRLV Lärm) anzuwenden.

Die Anforderungen zur Minimierung von Lärm in Arbeitsstätten werden für Arbeitsplätze in Arbeitsräumen durch

  • Maximalwerte des Beurteilungspegels in Abhängigkeit von der Art der Tätigkeit (hohe, mittlere oder geringe Konzentrationsanforderungen) sowie durch
  • raumakustische Anforderungen (Nachhallzeit, Schallabsorptionsgrad) an Arbeits-räume beschrieben.

Zur Unterstützung der Gefährdungsbeurteilung dient die vom Potsdamer Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit (LAVG) entwickelte Arbeitshilfe. Im Lärm– und Vibrationsinformationssystem KarLA wurde in Bezug auf die ASR A3.7 der Lärm-Belastungs-Rechner um ein neues Modul zur Berechnung des Beurteilungspegels erweitert: https://lavg.brandenburg.de/sixcms/detail.php/705283

Zur Berechnung der Nachhallzeit steht ein eigens entwickeltes Berechnungsmodul zur Verfügung: https://lavg.brandenburg.de/sixcms/detail.php/872639

 

 

Für spezielle Arbeitsplätze / -bereiche bestehen neben der ArbStättV weiterführende nationale Arbeitsschutzvorschriften, wie z.B. die Lastenhandhabungsverordnung (LasthandhabV) für die manuelle Handhabung von Lasten bei der Arbeit.

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Publikationen