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Arbeitsschutz auf Baustellen

Anwendbares Recht

Arbeiter auf einer Baustelle

(© SMWA)

Im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen sind Beschäftigte im Baugewerbe hohen Unfall- und Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Über die Hälfte aller schweren Arbeitsunfälle ereignen sich auf Baustellen. Die Gefahrensituationen ergeben sich aus ständig wechselnden Verhältnissen der technologischen Abläufe, den Witterungseinflüssen, dem Termindruck und auch daraus, dass die Arbeiten von Beschäftigten verschiedener Arbeitgeber ausgeführt werden. Dies stellt hohe Anforderungen an die Koordination und Abstimmung bezüglich der zu planenden Schutzmaßnahmen.

Neben dem Arbeitsschutzgesetz und sonstigen Rechtsvorschriften sind von Arbeitgebern und Beschäftigten bei Bautätigkeiten insbesondere die Baustellenverordnung (BaustellV) und die Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen (RAB) zu beachten.

Um Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen zu verbessern, führt die Gewerbeaufsicht Sachsens jährlich in Schwerpunktaktionen gezielte Kontrollen durch.

Daten und Fakten zum Arbeitsschutz auf sächsischen Baustellen

Verstöße gegen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen vergrößern das Gefährdungspotenzial und führen zu überdurchschnittlich hohen Verletzungs- bzw. Gesundheitsrisiken der Beschäftigten.
 
Daher führen die Arbeitsschutzbehörden im Rahmen des »Aktionsprogramms Baustellen« Revisionen durch. Dabei wurden 2016 bei Baustellenkontrollen 5.570 Einzelmängel festgestellt. Am höchsten war der Anteil der Mängel im Bereich des Schutzes der Beschäftigten gegen Absturz. Die festgestellten Mängel bei Gerüsten, Absturzsicherungen und auf Abbruchbaustellen hatten ihren Ursprung oftmals in mangelhafter Arbeitsschutzorganisation.

Neue technische Regeln für zeitweilige Arbeiten an hochgelegenen Arbeitsplätzen

Das Regelwerk TRBS 2121 »Gefährdung von Personen durch Absturz - allgemeine Anforderungen«, wurde jetzt ergänzt durch:

  • TRBS 2121 Teil 1 »Gefährdung von Personen durch Absturz - Bereitstellung und Benutzung von Gerüsten«

  • und Teil 3 »Gefährdung von Personen durch Absturz - Gefährdung und Benutzung von Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen«. ...

Die Arbeitsschutzanforderungen für die Benutzung von Arbeitsmitteln sind in der Betriebssicherheitsverordnung verankert. Mit der Betriebssicherheitsverordnung besteht ein umfassendes Schutzkonzept, das auf alle von Arbeitsmitteln ausgehende Gefährdungen anwendbar ist. Die Betriebssicherheitsverordnung regelt in Anhang 2 Abschnitt 5 Mindestanforderungen für die Benutzung von Arbeitsmitteln, die für zeitweilige Arbeiten an hochgelegenen Arbeitsplätzen bereitgestellt werden. Dazu zählen besondere Vorschriften für die Benutzung von Gerüsten, Leitern und für Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen. Die Konkretisierung hinsichtlich der Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen für Arbeitnehmer und die Ableitung von geeigneten Maßnahmen zur Arbeitssicherheit und zum Gesundheitsschutz der Beschäftigten für die Benutzung der vorgenannten Arbeitsmittel bzw. von Arbeitsverfahren erfolgt in einschlägigen Technischen Regeln.

Die technischen Regeln zum Thema »Absturz« sind gefährdungsbezogene Regeln und in der sogenannten 2000er Reihe veröffentlicht. Zu dem Gefährdungsmerkmal »Absturz« wurde bisher die TRBS 2121 »Gefährdung von Personen durch Absturz - allgemeine Anforderungen« veröffentlicht (GMBl Nr. 15 vom 23. März 2007 S. 326). Das Regelwerk wurde jetzt ergänzt. Es wurden die vom Ausschuss für Betriebssicherheit beschlossenen Regelungen zur Thematik Bereitstellung und Benutzung von Gerüsten (TRBS 2121 Teil 1 »Gefährdung von Personen durch Absturz .- Bereitstellung und Benutzung von Gerüsten« /GMBl Nr. 40 vom 21. September 2009 S. 845) und zur Gefährdung und Benutzung von Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen (TRBS 2121 Teil 3 »Gefährdung von Personen durch Absturz - Gefährdung und Benutzung von Zugangs- und Positionierungsverfahren unter Zuhilfenahme von Seilen« (GMBl Nr. 40 vom 21. September 2009 S. 851) veröffentlicht.

 

Weitere Themen

Praxisseminare „Gutes Bauen in Sachsen – aber sicher !“

Der Landesinnungsverband des Dachdeckerhandwerks in Sachsen bietet in Kooperation mit der Arbeitsschutz-Allianz Sachsen 2017 Praxisseminare rund um das Thema gutes und unfallfreies Arbeiten auf Baustellen an. Zielgruppe dieser Fachseminare sind Unternehmen des Dachdeckerhandwerkes, Unternehmen, die Arbeiten auf Dächern ausführen, wie z.B.  Zimmerer- und Maurerarbeiten, Bauklempnerarbeiten und Blitzschutzinstallation sowie Unternehmen, die Photovoltaikanlagen montieren. Angesprochen werden insbesondere Führungskräfte und Verantwortliche im Unternehmen wie z. B. Bauleiter und Poliere.

Staatssekretär Stefan Brangs übergibt Arbeitsschutz-/Kennzeichnungsausrüstung

Staatssekretär Stefan Brangs übergab am 09. Juli 2015 im Rahmen einer Fachdienstberatung Bauarbeiterschutz den zuständigen Arbeitsschutzfachleuten der LDS die neue Arbeitsschutz-/Kennzeichnungsausrüstung, eine Warnweste und einen Schutzhelm mit entsprechender Kennzeichnung als Arbeitsschutzbehörde. Mit dieser Ausrüstung wird sowohl die eigene Sicherheit der Baustellenkontrolleure als auch ihre Wahrnehmung als Arbeitsschutz-Aufsichtsbeamtinnen und –beamte verbessert. Als Staatliche Arbeitsschutzbehörde in Sachsen fungiert die Abteilung Arbeitsschutz in der Landesdirektion Sachsen. Die Arbeitsschutzbehörde ist eine klassische Eingriffsverwaltung mit sonderpolizeilichen Befugnissen. Die Arbeitsschutzkontrolleure deutlich als solche zu erkennen, verbessert ein wirksames Arbeitsschutzhandeln.

Bildergalerie

Kasachische Regierungsstipendiaten informieren sich in Dresden über die Anforderungen zum Arbeitsschutz

Die Delegation bei der Besichtigung einer Baustelle

Die Delegation bei der Besichtigung einer Baustelle
(© SMWA)

Die Republik Kasachstan verfolgt ein bis zum Jahr 2020 breit angelegtes nationales Programm zur beschleunigten Industrialisierung des Landes. Diese soll auf Grundlage des Importes moderner Technologien aus Industriestaaten, darunter aus Deutschland, erreicht werden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Qualifikation von Fach- und Führungskräften.

Die effektivste Methode zur Erreichung dieses Ziels ist, bei führenden deutschen Unternehmen, den Weltmarktführern im Bereich der Baustoffindustrie, zu lernen. Im Auftrag des Ministeriums für Investition und Entwicklung der Republik Kasachstan führen im März 2015 fünfzehn kasachische Regierungsstipendiaten in Dresden eine solche Fach- und Managementfortbildung durch.  

Das Programm, das im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH bei der ARGE Konsortium NBL in Dresden durchgeführt wird, zeichnet sich durch starke Praxisorientierung aus und beinhaltet neben Besuchen bei Baustoffbetrieben und Trainings zu Themen wie Projektmanagement, Innovationen, Qualitätsmanagement und Personalführung auch das Thema Arbeitsschutz.

Die sächsische Arbeitsschutzverwaltung und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft BG BAU organisierten für die Teilnehmer am 16. und 17. März 2015 ein zweitägiges Programm, um über das duale Arbeitsschutzsystem in Deutschland und über wesentliche Pflichten und Verantwortlichkeiten der Unternehmer sowie der Beschäftigten zu informieren. Schwerpunkte waren dabei ein informeller Vortragsteil, das Kennenlernen der praktischen Umsetzung bei einer Baustellenbesichtigung auf der Baustelle „Errichtung eines Kulturzentrums im ehemaligen Kraftwerk Mitte“ in Dresden sowie ein Besuch im Praxiszentrum der BG BAU in Nürnberg.   

Ziel der Veranstaltung wie des gesamten Programms in Deutschland ist, die gewonnenen Erfahrungen in den kasachischen Unternehmen umzusetzen.

Impressionen vom Besuch der kasachischen Delegation

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